Heinrich Schlief ist heute ein über Westfalen hinaus bekannter Expressionist. Ursprünglich wollte er Lehrer werden. Durch seinen Volksschullehrer wurde er jedoch in die technische Laufbahn gelenkt. Der Maler Heinrich Schlief fand ab 1908, in den ersten Jahren nach seiner Schulentlassung, am staatlichen Hochbauamt sowie am Kulturamt der Stadt Soest Beschäftigung.

1907 sah der jun ge Heinrich Schlief in den so Soester Gassen Christian Rolfs, der aus seinen Hagener Atelier nach Soest zum malen kam. 1909 lernte er den Soester Expressionisten Wilhelm Morgner kennen und sein Entschluss Maler zu werden, stand für ihn endgültig fest.

 

Im Ersten Weltkrieg war er an der Westfront als Divisionsmaler sowie Pressezeichner für die Divisionszeitung 236 tätig. Zur Dreizehnhundertjahrfeier der Stadt Soest 1924 wurde Heinrich Schlief Öffentlichkeit zum ersten Mal in einer Sonderschau mit über 100 Werken präsentiert. Zwei seiner im Besitz der Stadt Soest befindlichen Werke wurden 1937 durch die Reichskammer der bildenden Künste als entartet eingestuft. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihm ehrende Anerkennung für seine große Schaffensleistung als Maler und Wegbereiter der moderne durch seine Berufung in die Leitung des westdeutschen Künstlerbund ist zuteil.

Zeitlebens ging Heinrich Schlief jedoch seiner Berufung und Leidenschaft als Maler und Zeichner nach. Sein umfangreiches Werk an Gemälden, Zeichnungen, Holz- und Linolschnitten, Radierungen, Tuschezeichnungen und Monotypien ist beredter Ausdruck seiner immensen Schaffenskraft.

Heinrich Schlief setzte bei seinen Papierarbeiten oftmals auf Mischtechnik. Als mal Gründe dienten ihm Papier, Malpappe, Pergamin wie auch Hartfaser. In den Zeiten der Not nutzte er auch die Rückseiten bedruckten Papiers aus seinem beruflichen Arbeitszusammenhang. Er kombinierte gerne verschiedene Malmittel wie Kreide, Wasserfarben und auch Ölfarbe, um besondere optische Effekte zu erzielen.

Neben Landschaftsdarstellungen, die vorwiegend Land und Leute des Soester Börde und des Sauerlandes thematisierten, finden sich bei Heinrich Schlief überraschend Darstellungen aus den asiatischen Kulturkreis wieder. Gerne führte er seinen Zeichnungen auch im Öl aus. Viele seiner Werke segnete der Künstler mit seinem Tier Kreiszeichen, dem Steinbock.

Sein Oeuvre beinhaltet kubistischen anmutende Arbeiten aus den zwanziger Jahren ebenso wie Werke die von expressiver Gegenständlichkeit geprägt sind. In den fünfziger und sechziger Jahren waren seine Werke von starker Abstraktion gekennzeichnet. Hervorzuheben sind dabei seine kalligraphisch anmutenden Blätter. Eine klare prägnante wie auch starke kontrastieren der Farbgebung ist kennzeichnend für Heinrich Schliefst künstlerischer Arbeit.

 

Quelle: Infobroschüre Einladung zur Kunstausstellung in Soest vom 16.01.2009 bis 03.04.2009